Klimawandel - Sommer und Winter in Bulgarien werden wärmer

Radio interview with Staytcho Kolev (National Institute of Meteorology and Hydrology, Sofia, Bulgaria), © 2007 Radio Bulgaria (German version).

original article at Радио България

Laut Prognosen soll Bulgarien nicht allzu sehr von der globalen Klimaveränderung betroffen sein. Es ist allerdings möglich, dass die Winter wärmer und die Sommer heißer werden. Das könnte bedeuten, dass die für die geografische Lage des Landes eigentlich manchmal sehr kalten Winter milder werden, was mit allgemeiner Erleichterung aufgenommen wird. Wird das aber wirklich passieren? Welche Auswirkungen werden die Klimaveränderungen auf die bulgarische Wirtschaft, auf den Tourismus, auf die Landwirtschaft etc. haben? Antworten auf diese Fragen sucht das EU-Projekt CLAVIER (vom englischen Climate Change and Variability), das ein Teil des 6. Rahmenprogramms für wissenschaftliche Untersuchungen der EU darstellt. Daran sind Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien beteiligt.

Das Projekt befasst sich hauptsächlich mit den Klimaveränderungen in Ungarn, Bulgarien und Rumänien, genauer mit der Herausarbeitung von wissenschaftlichen Methoden für die Prognose des Klimawechsels. Verständlicherweise werden dabei besonders die klimatischen Vorgänge beachtet, die zu großen Naturkatastrophen wie Hochwasser, Gewitter usw. führen. Die bulgarische Seite ist durch das Nationalinstitut für Meteorologie und Hydrologie vertreten. „Außer den wirtschaftlichen und politischen Kataklysmen müssen die Länder aus Ost- und Mitteleuropa heute auch den Herausforderungen der globalen Klimaveränderungen begegnen“, sagte Doktor Stajko Kolew vom Nationalen Institut für Meteorologie, der am Projekt beteiligt ist. Und weiter:
„Wir werden eine Schätzung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die bulgarische Wirtschaft erstellen“, sagt Stajko Kolew. „Dann werden wir die Ergebnisse der Untersuchung analysieren. Besondere Aufmerksamkeit werden wir den Gewittern widmen. Wir werden verschiedene Modelle des möglichen Klimawechsels erarbeiten und sie dann mit den meteorologischen Daten vergleichen“, erklärt Doktor Stojko Kolew.

Einige große Namen auf dem Gebiet, wie das deutsche Max-Plank-Institut, das Institut Pierre Laplace aus Frankreich und die Universität in Graz, sind am Projekt beteiligt. Die Untersuchungen des Max-Plank-Instituts zeigen zum Beispiel eine Verbindung zwischen der Klimaveränderung und den in letzter Zeit immer häufigeren Naturkatastrophen.
„Laut Statistiken können etwa 60 Prozent aller Naturkatastrophen in Europa seit 1980 auf den Klimawandel zurückgeführt werden“, sagt Stajko Kolew weiter. „Die Tendenzen auf diesem Gebiet werden im Laufe des Projekts gründlich untersucht. Die Aufgaben des bulgarischen Teams bestehen darin, die Auswirkungen von Gewittern auf das Klima in der Region zu untersuchen“, so Doktor Kolew und weiter:
„Es sollen aber nicht nur die Winter wärmer, sondern auch die Sommer heißer werden. Laut Ergebnissen sollen die Temperaturen in Bulgarien im Laufe des 21. Jahrhunderts um 2 bis 5 Grad steigen. Leider ist das auch mit einer Reduzierung der Regenfälle während des Sommers verbunden. Im Winter erwarten wir dagegen eine Erhöhung der Niederschläge um etwa 10 Prozent. Da wir aber allgemein mit einer Erwärmung im Winter rechnen, wird das dennoch weniger Schneefälle bedeuten. Dabei soll der Winter feuchter und der Sommer, trockener werden. Man erwartet auch eine erhöhte Zahl der Gewitter, Überschwemmungen und anderen extremen Naturerscheinungen“, erklärt Stajko Kolew weiter.

Dennoch soll Bulgarien aber nicht unter den am schlimmsten von den Klimawechsel betroffenen europäischen Ländern sein.
„Leider gehört unser Land zum Mittelmeerregion, wo man eine deutlichere Klimaveränderung zu erwarten hat“, sagt Stajko Kolew. „Ich meine damit die allgemeine Erwärmung, besonders im Sommer und auch die Reduzierung der Regenfälle während dieser Jahreszeit. Andererseits hat Bulgarien ein kontinentales Klima, was dazu beitragen kann, das die Klimaveränderung hier weniger drastisch als in Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal sein wird“, so Stajko Kolew abschließend.

Das Projekt CLAVIER soll eine bessere Prognose der Klimaveränderungen und ihrer Folgen für die Wirtschaft sowie eine Reduzierung der negativen Auswirkungen des Klimawandels in Bulgarien, Rumänien und Ungarn ermöglichen.

Autorin: Maria Dimitrowa
Übersetzt von Milkana Dehler